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  Presse >> Erinnerungsarbeit darf nie abreißen

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Gedenken an die Opfer der Pogromnacht 1938 in Paderborn


Paderborn (st).
Niemand in Paderborn sei vor 69 Jahren den Brandstiftern der Synagoge in die Arme gefallen. Dabei seien doch seien die zerschlagenen Fensterscheiben der jüdischen Geschäfte und Wohnhäuser unübersehbar gewesen. Das sagte der Paderborner Ehrenringträger Günter Bitterberg gestern Abend bei der Gedenkstunde für die Opfer der Reichspogromnacht am Mahnmal an der Alten Synagoge. Bitterberg, der viele Jahre evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und SPD-Ratsherr war, wies darauf hin, dass die Synagoge im August vor 125 Jahren eingeweiht worden war. An sie erinnern die gelben und roten Steine des von Per Kirkeby geschaffenen Mahnmals.
Den Novemberpogrom 1938 nannte Bitterberg „eine schreckliche Gottes- und Menschenlästerung vor aller Augen, an helllichtem Tag, in aller Öffentlichkeit“. In seiner Gedenkrede warf er die Frage auf, „ob sich angesichts der Opfer des Novemberpogroms und der Shoah Juden und Christen als Geschwister erkennen können. Und ob sie es wollen nach allem, was war in unserem Land, wo der Antisemitismus immer noch virulent ist, wie wir fast täglich merken, und in unserer Stadt.“
Beschönigend, verschleiernd und verhöhnend sei das abscheuliche Geschehen 1938 „Reichskristallnacht“ genannt worden. Bitterberg: „Als wenn vor 69 Jahren nur Glas zerbrochen wäre. Die Wahrheit ist: Heute vor 69 Jahren wurden 91 deutsche Juden an diesem Tag ermordet, 267 Synagogen in Brand gesteckt, viele tausend Geschäfte und Wohnungen verwüstet und 30.000 deutsche Juden verhaftet und die allermeisten in die Konzentrationslager verschleppt, auch Walter Philipps, der älteste Sohn von Karl und Johanna Philipps aus der Bahnhofstraße, die mit dem zweiten oder dritten Transport nach Theresienstadt gebracht und mit anderen Paderborner Juden Opfer der Shoah wurden.“
Bitterberg sagte, er habe die Hoffnung, dass, je mehr Menschen sich erinnern, sich dann auch Menschen finden, die dieses Erinnern in Handeln umsetzen, so wie die 3.000 Paderborner sich erinnert hätten, die am 28. April dieses Jahres in der Bahnhofstraße gegen den geplanten Aufmarsch der Neo-Nazis protestierten und demonstrierten.
In der Gedenkstunde, die musikalisch von der Kantorei Bad Lippspringe umrahmt wurde, sagte Bürgermeister Heinz Paus, Erinnerungsarbeit sei Friedensarbeit. Er nannte es beeindruckend, dass sich trotz der widrigen Witterungsverhältnisse viele Paderborner zu der Gedenkstunde versammelten. Schüler der Gesamtschule Elsen verlasen die Namen der ermordeten Paderborner Juden.
„Erinnerungsarbeit darf nie abreißen“, betonte der Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Professor Dr. Hubert Franke-mölle.
© 2007 Neue Westfälische Paderborner Kreiszeitung, Samstag 10. November 2007


s. auch Aktuelles

NW vom 10.11.2007

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