VON ANDREAS GÖTTE
Paderborn-Elsen. Bücher herausgeben, Medien bestellen, Besucher beraten oder Kinder durch den großen Raum mit den vielen Bücherregalen führen. Gerburg Barckow hat ihren Arbeitsplatz in der Elsener Schul- und Stadtteilbibliothek so richtig lieb gewonnen. Doch am Jahresende ist nach 21 Jahren Dienst Schluss.
Die gebürtige Schleswigerin hat die Altersgrenze erreicht und geht in den Ruhestand. „Mit einem lachenden und auch einem weinenden Auge“, wie sie sagt. Schließlich habe sie die Einrichtung aufgebaut und geprägt. Vor allem die Leseförderung lag der studierten Bibliothekarin am Herzen. So hätte sie im kommenden Jahr noch gerne am Landesprogramm zur Leseförderung für Jungen mit ihrerBibliothek teilgenommen. „Es wäre schön, wenn sich dafür ein paar Ehrenamtliche finden würden“, sagt Gerburg Barckow, die als Kind keine typische Leseratte war. Von Zuhause habe sie zwar mitbekommen, dass Bücher dazugehören, aber eigentlich wollte sie Theaterwissenschaft studieren. „Weil ich jedoch was Vernünftiges lernen sollte, wurde ich Bibliothekarin“ sagt die dreifache Mutter.
Nach Elsen kam sie eher durch einen Zufall. Denn eigentlich wollte Gerburg Barckow in einer wissenschaftlichen Bibliothek arbeiten. Aber die Leiterstelle in der Paderborner Uni-Bibliothek hatte bereits ihr Mann besetzt. Als Ein-Frau-Betrieb fing sie deshalb mit Zwölf-Wochen-Stunden in der kleinen Bücherei in der Elsener Pfarrvikarie an. Die war nicht viel größer als ein Wohnzimmer und Computer-Spiele und Filme gab es 1988 auch noch nicht.
Seit 1995 befindet sich die öffentliche Bibliothek auf dem Gelände der Gesamtschule. Längst gibt es Romane, Reiseführer oder Ratgeber in allen Medienformen. „Wir versuchen, alles abzudecken, leider ist der Etat von 12.000 Euro von der Stadt nicht ausreichend“, sagt Barckow. Auch der Standort auf dem Schulgelände sei immer noch nicht allen geläufig. Dennoch gibt es viele Stammleser unter den rund 2.500 Lesern und oft ein positives Echo. „Auf die Frage, ob er fündig geworden sei, hat ein kleiner Junge mal gesagt, na klar“, sagt die Leiterin. Das sei doch die beste Werbung für ihre Bibliothek.
Trotz so mancher starker Belastung durch permanente Schulungen und EDV-Umstellungen habe ihr die Arbeit immer sehr viel Spaß gemacht. „Es war ein ganz reiche Zeit, aus der ich viel mit nach Hause nehmen kann“, sagt die baldige Pensionärin, deren Lieblingsbuch zur Zeit die „Schweigeminute“ von Siegfried Lenz ist.
Mehr Zeit zum Lesen - darauf freut sich die baldige Ruheständlerin neben ihren ehrenamtlichen Aufgaben schon sehr. „Die meisten Bücher kenne ich ja nur von Buchbesprechungen“, schildert sie. Am liebsten lese sie dünne Bücher. Im Ruhestand könnte sich das bald vielleicht ändern. Dann dürften auch dickere Bücher eine Chance haben. Schließlich ist für die 64-Jährige Lesen ein Mix aus Entspannung und auch Anregung.
´Am Freitag, 19. Dezember, verabschiedet sich Gerburg Barckow bei einem Rezitationsabend mit Kulturpreisträger Dr. Wolfgang Kühnhold aus dem aktiven Dienst. Beginn ist um 19.30 Uhr.
© 2008 Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung, Dienstag 09. Dezember 2008

Bücher-Fan bei der Arbeit: Gerburg Barckow hat immer noch viel Spaß in ihrem Beruf. Auch das Einräumen von Büchern ins Regal gehört zu ihren Aufgaben.
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