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Die Daktiker geben ein Lehrstück über die Folgen der Bildungsreformen


Lokales
VON RALF MISCHER
Paderborn-Elsen. Auch Lehrer sind nur Menschen. Und spätestens, wenn sie die Quadratur des Kreises wagen sollen, stehen sie vor einem ernsthaften Problem.
„Wir sollen Schüler gruppendynamisch betreuen – und gleichzeitig individuell fördern“, sagt der Lehrer mit dem markanten Oberlippenbart, Oberstudienrat Krick. Dargestellt von Hans-Peter Königs, hauptberuflicher Pädagoge, der in seiner Freizeit den Aufstand probt. Gegen die Schulpolitik, gegen die Schüler, gegen das Leben.
Auf Einladung des Fördervereins der Gesamtschule wagten „Die Didaktiker“ am Donnerstagabend auf den Bühnenbrettern der Bildungseinrichtung die Bildungsrevolution. „Einer geht noch – Best of Adolphinum", so lautet der Name des neuen Programms von Hans-Peter Königs, Hermann-Josef Skutnik, Andreas Boxhammer und Brigitte Lämbgen.
Das Publikumsinteresse an den pädagogischen Exaltiertheiten war groß – fast kein Sitzplatz war mehr frei.
Ebenso wie beim Elternsprechtag am Adolphinum. Anhand dieses schulischen Großereignisses persiflieren die Teilzeitkabarettisten die Absurditäten des Bildungsalltages nach den sommerschen Reformen. Da ist die verständnisvolle Lehrerin Frau Langowski, die sich von den Eltern die Schulnoten diktieren lässt: „Wie gedenken sie, Paul Joachim zu seinem Ziel einer Zwei zu fördern?“
Dann ist da der im Kollegium allseits beliebte Oberstudienrat Krick, Besoldungsstufe A14, der den Eltern erzählt, dass der Lehrer zu seiner Schulzeit noch eine echte Respektsperson gewesen sei.
Das humanistische Gymnasium mit dem fragwürdigen Namen Adolphium (so heißen eigentlich nur Altersheime) ist der Eingang zu Dantes Vorhölle. Und gereicht den Kabarettisten als Spiegel des deutschen Bildungsnotstandes. Musizierend, singend und spielend bahnen sich die Protagonisten ihren Weg durch den Wahnsinn. Zitieren hier mal Goethe, dort Shakespeare: „Ist es schon Tollheit, so hat es doch Methode.“
Ihre Lieblingsfeindbilder: Der Rüttgers, die Sommer und die Herren und Damen von der „Inspektorenbande“. Botschaften haben Männer und Frauen von der Pädagogeninnung, die an diesem Abend nicht nur auf der Bühne stehen, zahlreiche verkündet.
Die deutlichste und markanteste war vielleicht diese: Trotz Rankingwahn und Pisa-Fieber, Kontrallmanie und Zertifizierungssehnsüchten der Landesregierung sollte man nicht vergessen, dass Lehrer Menschen sind – und Schüler auch. Aber sagen sie das mal Barbara Sommer: „Die sagt, NRW wird Spitze – und sie glaubt daran.“
© 2010 Neue Westfälische Paderborner Kreiszeitung, Samstag 20. März 2010


Klarer Durchblick: Die Didaktiker Hans Peter Königs, Hermann-Josef Skutnik und Andreas Boxhagen (v.l.) tragen eine Brille. Vermutlich bewerten sie deshalb die Bildungsreformen so deutlich.

FOTO: R. MISCHER

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