Lokales
VON ALINA REICHARDT
Paderborn-Elsen/Ottbergen. Vor dem großen Europa fühlt man sich manchmal ganz klein. So viele Regeln, so viele Gesetze. Am gestrigen Europatag erforschten 18 Schüler der Gesamtschule Paderborn-Elsen auf dem Milchbetrieb Wiemers-Meyer wie sich viele der unergründlichen Paragraphen im Alltag eines Bauernhofes widerspiegeln.
Laut muhend machen die 300 Kühe auf sich aufmerksam. Es ist 6 Uhr früh. Melkzeit. Mit halb geschlossenen Augen und verstohlen gähnend schlurfen die 18 Zwölftklässler aus Paderborn hinter Bäuerin Claudia Wiemers-Meyer her. Und das soll nun etwas mit der Europäischen Union (EU) zu tun haben? Ja, erklärte Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, den Schülern. „Diese Milch steht in ein paar Tagen im Regal und ihr könnt sie kaufen. Wie viel ihr dafür bezahlt, wird durch die EU mitbestimmt“, so Brüggemeier. Durch die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU-Staaten werden für alle landwirtschaftlichen Produkte, also auch für Milch, Marktordnungen erlassen, so werden Preise, Im- und Export innerhalb der EU geregelt. „Diese Zusammenarbeit läuft mal gut und mal schlecht“, erklärte der Landwirt den Schülern. Denn ein gemeinsamer Markt bedeute keine gemeinsamen Produktionsverhältnisse. „In vielen EU-Ländern wird billiger produziert, weil sie sich nicht an deutsche Standarts, zum Beispiel in der Haltung, orientieren“, ergänzte Kathrin Schlüter, die sich als eine von fünf Bauersfrauen den Fragen der Schüler stellte. Wenn diese billigere Milch importiert wird, kommt es zu Preiskämpfen wie 2009, bei denen die deutschen Bauern oft den Kürzeren ziehen.
„Trotzdem lieben wir unseren Job“, sagte Landwirtin Karin Schröder aus Lüchtringen und leitete damit zu einem der zentralen Probleme der Bauern über: dem Nachwuchs. „Wer von euch will denn später in derLandwirtschaft arbeiten?“ Verhaltenes Schweigen unter den Paderbornern. Selbst der Hinweis, dass die landwirtschaftliche Ausbildung heutzutage viel abwechslungsreicher sei, konnte die jungen Menschen nicht überzeugen. Nur für das Streicheln der frisch geborenen Kälbchen waren am Ende des Ausflugs dann doch noch alle zu haben.
Süß: Carolin Ernst (l.) und Ricarda Erhardt haben sich sofort in das neu geborene Kälbchen verliebt.
FOTO: ALINA REICHARDT

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