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„Be smart – don’t start“: Klasse 6 c der Gesamtschule Elsen seit
November „rauchfrei“
Paderborn-Elsen.
"Jeden Freitag fragt uns Herr Brune, ob jemand geraucht hat", erklärt
Jacqueline das Procedere. Und? Habt Ihr? "Bislang hats keiner getan", sagt
Jacqueline. Na, mal ehrlich!!! "Nein, wirklich nicht. In unserer Klasse
herrscht Vertrauen", stellt Fehime klar. Nach vier rauchfreien Monaten hat
die Klasse 6 c der Gesamtschule Elsen gute Chancen, die Bedingungen
des europaweiten Wettbewerbs "Be smart - don't start" zu erfüllen.
Die zwölf- bis 13-jährigen Schülerinnen und Schüler haben sich Anfang
November vergangenen Jahres verpflichtet, ein halbes Jahr lang die Finger
vom Glimmstengel zu lassen. "Das ist kein Problem", mag man angesichts des
zarten Alters der Sechstklässler denken. Doch weit gefehlt. "Ich kenne
Kinder aus den 6. Klassen, die rauchen", berichtet Fehime. Und schon
schnellen einige Arme in die Höhe. David hat "viele Kumpel" im Alter von
13 bis 14 Jahren, die regelmäßig Zigaretten konsumieren. Auch Manuel hat
"qualmende" Freunde in 5. und 6. Klassen, und Phillip erzählt, dass in
seiner Grundschulzeit sogar schon Kinder aus der 2. und 3. Klasse geraucht
haben.
"Ganz blöd ist es immer, wenn meine Kumpel sagen, dass ich doch eine
mitrauchen soll. Dann denke ich mir immer Ausreden aus. Zum Beispiel, dass
ich nach Hause muss", erzählt David. Dieses Gefühl kennen viele seiner
Klassenkameraden. Zum Beispiel Matthias, dessen Freund ihm immer mal
wieder eine Zigarette anbietet. Oder Helena, der von den Freundinnen der
großen Schwester schon mal die Zigarettenschachtel vor die Nase gehalten
wird. Da ist es dann nicht immer leicht, gerade heraus dankend abzulehnen
- auch wenn man um "Raucherbeine", "Suchtgefahr", "gelbe Zähne", "ekligen
Gestank" und "das große Geld", das die Zigarettenfirmen mit dem blauen
Dunst verdienen, genau weiß.
Genau hier setzt das Projekt an: Es will Kinder und Jugendliche darin
bestärken, erst gar nicht zuzugreifen, sondern "nein" zu sagen.
"Selbstbewusste Kinder haben den Mut zum Nein-Sagen, wenn sie zum Rauchen
aufgefordert werden", will auch Klassenlehrerin Sabine Weiß ihren Schülern
mit der Wettbewerbsteilnahme den Rücken stärken. Und sie ist überzeugt,
dass dieses Projekt ihren Schülern das Ablehnen bereits schon jetzt
leichter macht. "Ja", räumt Matthias nach einer kleinen Denkpause ein,
"mir hilft das beim Nein-Sagen".
Auf die erfolgreichen Klassen warten lukrative Preise
Wenn bis zum Projektende am 26. April doch noch jemand schwach werden
sollte - wonach es in der 6 c momentan allerdings gar nicht aussieht
-, dann wird er (oder sie) von den Mitschülern vermutlich bekehrt. "Ich
würde ihn erstmal ansprechen. Und wenn’s bei einer Zigarette bleibt, würde
ich ihn auch nicht verpetzen", meint Phillip. "Verraten find' ich auch
nicht gut", stimmte Jacqueline ihm zu. Michel wäre da schon etwas
rigoroser: "Den müsste man verraten. Schließlich wollen wir den Wettbewerb
gewinnen", erinnert er seine Mitschüler an die ausgelobten Preise: Neben
einer Klassenfahrt als "Europapreis" werden im Kreis Paderborn unter allen
teilnehmenden, rauchfreien Klassen zehn Geldpreise zwischen 50 und 500
Euro für die Klassenkasse verlost.
Die Konkurrenz für die 6c ist groß: Von den 69 Klassen der
Jahrgangsstufen sechs bis acht mit 1.763 "smarten" Schülerinnen und
Schülern, die im Herbst mit dem Wettbewerb starteten, sind derzeit noch 63
Klassen mit 1.607 Schülern im Rennen. Eine Aussteigerquote von nichtmals
zehn Prozent. "Das ist eine gute Hausnummer", freut sich Heinz Picht,
Pressesprecher der AOK Westfalen-Lippe, Regionaldirektorin
Paderborn-Höxter, über diese erfreuliche Zwischenbilanz. Im Kreis Höxter
ist bislang sogar nur eine von 49 Klassen schwach geworden. Ein
Sonderpreis winkt übrigens denjenigen Klassen, die sich im Rahmen einer
Sonderaktion mit dem Thema Rauchen auseinandersetzen. Die AOK,
Hauptinitiator des Projekts, nimmt diesbezüglich noch Bewerbungen an.
Gute Aussichten, um auch in Zukunft rauchfrei zu bleiben
Die Pädagogen Wolfgang Brune und Sabine Weiß haben mit ihrer 6 c
bereits über eine Teilnahme für das nächste Jahr gesprochen. "Als wir im
November gestartet sind, hat in dieser Klasse noch niemand regelmäßig
geraucht. Wenn wir das Projekt weiterführen, sind unsere Schüler
hoffentlich so gestärkt, dass sie auch später nicht mit dem Rauchen
anfangen", hofft Brune. Die Statistiken geben ihm Recht. Zum Einen liegt
das Einstiegsalter von Rauchern zwischen zwölf und 13 Jahren. Zum Anderen
zeigen Analysen der Wettbewerbe aus vergangenen Jahren, dass teilnehmende
Schüler gute Aussichten haben, auch weiterhin rauchfrei zu bleiben. So wie
Michel oder Jacqueline schon jetzt: "Wir haben mit Rauchen nichts am Hut."
VON SABINE KAUKE
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